Erfolgreicher Elternanlass «Aufwachsen in einer digitalen Gesellschaft»

Bottighofen, 26. Mai 2024

Am 24. Mai 2024 fand der jährliche Anlass der ElternMITwirkung unter dem Motto «Mediennutzung bei Kinder und Jugendlichen» statt. Dass dies ein aktuelles Thema ist, bewiesen die knapp 60 Interessierten, die sich im Dorfzentrum einfanden, wo der charismatische Gastreferent Prof. Dr. Thomas Merz, Medienpädagoge an der PH Thurgau, den Gästen einiges zum Nachdenken mitgab. «Eltern müssen nicht perfekt sein, sondern dran bleiben», war dann auch gleich die erste konkrete Aussage von ihm, die allgemeines Nicken im Saal auslöste. Zwischen Job, Familie, eigenen Ansprüchen und dem Druck der Gesellschaft, alles mühelos hinzukommen, reiben sich die Eltern heutzutage auf. Vielfach orientieren sie sich an den Sozialen Medien, die ein Bild der idealen Elternschaft zeigen, das unmöglich erreicht werden kann.

Die Unsicherheit, wie die Nutzung der Medien innerhalb der Familie geregelt werden soll, verstärkt sich dadurch noch. Die Angst ist gross, etwas falsch zu machen, das Kind fürs Leben zu schädigen oder eine negative Entwicklung in Gang zu setzen. Thomas Merz konnte in diesem Zusammenhang den Gästen einige Ängste nehmen.

In seinem spannenden Referat zeigte er auf, dass jedes neue Medium in den letzten Jahrhunderten - ob Buch, Telefon, Film oder Internet – zuerst mit Argwohn betrachtet wurde. Und dass dann aber im Rückblick jedes Mal die Ängste umsonst gewesen waren. «Der Tonfilm zum Beispiel hat das Gehör und die Existenz von Musiker und Artisten nicht ruiniert, obwohl das so vorausgesagt wurde», brachte Thomas als Beispiel. «Menschen brauchen Zeit, sich an etwas Neues zu gewöhnen. Und mit der rasanten technologischen Entwicklung der letzten Jahre dreht sich das Rad der Innovationen immer schneller. Es braucht deshalb von uns Eltern vor allem Beständigkeit im Umgang mit unseren Kindern.»

Thomas fuhr fort: «In Bezug auf den Medienkonsum unserer Kinder ist es deshalb immens wichtig, sich auf das Positive zu konzentrieren. Wir müssen unsere Denk- und Argumentationsweise ändern: wir dürfen nicht darauf fokussieren, was wir den Kindern wegnehmen (Medienzeit), sondern was sie dadurch bekommen (Zeit mit Mama und Papa oder mit Freunden oder auch Zeit, um etwas zu tun, das sie erfüllt wie Sport, Spielen, Kreativ sein etc.).»  Anschaulich hat Thomas Merz das dann noch am Beispiel von einer mit Sand gefüllten Vase aufgezeigt: der Sand (als Sinnbild für Medienzeit) rieselte zwischen grosse Steine, welche die prägenden, bleibenden Erlebnisse des Kindes in der realen Welt darstellten. Die Aussage dazu: wenn die Basis stimmt und das Kind immer wieder die Erfahrung machen darf, dass ihm zugehört und es wertgeschätzt wird und es tolle Erlebnisse hat ausserhalb der Medien, dann darf es auch Medienzeit geben für ihn. Die Medien sind dann nur eine der Möglichkeiten für das Kind, Spass zu haben. Zusätzlich können die Inhalte viel kritischer reflektiert und eingeordnet werden. «Es geht darum, unseren Kindern ein sinnvolles, mündiges, spannendes und kreatives Leben zu ermöglichen. Die Medien gehören heutzutage einfach dazu – dürfen aber nicht zum Lebensmittelpunkt werden.»

Nach diesem spannenden Referat hatten die Teilnehmer noch die Möglichkeit, verschiedene, teils provokante Fragestellungen in kleinen Gruppen zu diskutieren. Die Themen reichten von Cybermobbing, über Mediennutzung in der Schule, bis zur Überwachung durch die Smartwatch, Gruppendruck oder Gamen.

Danach wurden die Ergebnisse präsentiert, so dass die anwesenden Eltern weitere Inputs für ihren Alltag erhielten. Nach diesen intensiven zwei Stunden wurde es wieder etwas lauter im Dorfzentrum, als die Kinder hereinstürmten, die während des Anlasses von der Mädchen- und Jugiriege kostenlos betreut wurden (herzlichen Dank an dieser Stelle für die Unterstützung!). Während des anschliessenden Apéros konnten die Gäste den Abend noch gemütlich ausklingen lassen.

Grundlegende Tipps

 

- Medienkonsum darf nicht zum wichtigsten Thema werden, weder positiv noch negativ
- Der Lebensmittelpunkt ist die reale Welt
- Schaffen von gemeinsamen Gesprächs- und Begegnungsräumen und Erlebnissen
- Interesse zeigen fürs Kind, seine Gefühle und Gedanken
- Früh damit anfangen, mit Kindern über Medien zu reden und nachzudenken
- Gemeinsam Medien nutzen und sich darüber austauschen
- Regeln zur Mediennutzung online gemeinsam festlegen und konsequent einhalten

     o Keine persönlichen Angaben machen
     o Keine Treffen, ohne die Eltern zu informieren
     o Keine Bestellungen und keine Programme herunterladen (Primarstufe)
     o Keine E-Mail Anhänge öffnen von Fremden
     o Information an Eltern, wenn etwas komisch scheint

«Selber schaffen, schafft Selbstvertrauen»

Der erste Elternbildungsanlass in Bottighofen

Bottighofen, 10. März 2023

Die im aktuellen Schuljahr neu gegründete ElternMITwirkung der Primarschule Bottighofen hatte sich neben der konstruktiven Zusammenarbeit mit der Schule und Behörde als Jahresziel die Organisation eines Elternanlasses gesetzt. Dieser konnte nun am 10. März in Kooperation mit der Schulsozialarbeit sowie der Schulbehörde im Gemeindehaus unter dem Motto «Selber schaffen schafft Selbstvertrauen» erfolgreich durchgeführt werden. Dank der Unterstützung der Mädchen- und Jugendriege, die eine kostenlose Kinderbetreuung in der Turnhalle anboten, wurde der Elternanlass zum Familienanlass.

Als kompetente Fachfrau mit langjähriger Erfahrung konnte Marion Sontheim für ein Input-Referat gewonnen werden. Ging es nach der Einführung von Anette Dullenkopf als Mitglied der Schulbehörde und Kinderärztin im ersten Teil vornehmlich um die Abgrenzung der Begrifflichkeiten wie Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein und Selbstwirksamkeit, die Marion Sontheim den Zuhörenden auf eine sowohl unterhaltsame als auch informative Art näherbrachte, so stand im zweiten Teil der Austausch der Teilnehmenden im Fokus. In mehreren Gruppen wurde nach Anleitung von Cornelius Weller (Schulsozialarbeit) diskutiert, wie man als Eltern den Aufbau eines gesunden Selbstvertrauens und dadurch auch einer altersgerechten Selbstständigkeit der Kinder unterstützen kann: Wie schaffen Eltern es beispielsweise, ein optimales Gleichgewicht von Kontrolle und Vertrauen walten zu lassen? Ist weniger vielleicht manchmal mehr? Wie kann ein Quartier dabei unterstützend wirken? Wie kann mit Konflikten zwischen Kindern oder auch zwischen Eltern umgegangen werden? Und nicht zuletzt welche Rolle spielen dabei die (nicht mehr ganz so) neuen Medien? Über diese und weitere Fragen tauschte man sich in Gruppen und teilweise auch beim anschliessenden Apéro, der den Abend gemütlich ausklingen liess, aus.

Ein herzliches Dankeschön an alle Teilnehmenden und Mitwirkenden, besonders Marion Sontheim, Anette Dullenkopf, Cornelius Weller sowie die Verantwortlichen der Meitliriege und der Jugi. Wir freuen uns auf weitere spannende Veranstaltungen im nächsten Schuljahr!